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    Was ist (war) das ?  2 von 20vorhergenden Seitezur nächsten Seite

    Was ist (war) das ? [weitere Details...]
    Wählscheibe

      

    Geschichte eines Gerätes, das Jahrzehnte lang weltweit zum Telefonieren unerlässlich war,

    VON  EMMERICH GAIGG

     


    Meine Enkelkinder kennen Wahl- oder Wählscheiben, Nummernscheiben, Fingerlochscheiben, Nummernschalter usw. , wenn überhaupt, höchstens vom Hörensagen, so wie fast alle nach etwa 1980 Geborenen. Junge Techniker der Gegenwart – selbst sehr versierte – können mit den Abkürzungen „nsa, nsi und nsr“ kaum etwas anfangen. Was war das alles? Die angeführten Begriffe sind Bezeichnungen für ein und dasselbe Gerät in Telefonapparaten, wenn auch teilweise in unterschiedlicher Bauweise. Die Abkürzungen bezeichnen wichtige Bauteile davon.

    Die Erfindung der automatischen Telefonvermittlung 1889 durch Almon B. Strowger erforderte bei jedem Teilnehmeranschluss ein Gerät, das die Vermittlungseinrichtungen steuerte. Zunächst waren das je eine Taste und eine Leitung für Hunderter- Zehner- und Einerstellen der Telefonnummer. Zusätzlich benötigte man noch eine Leitung für die Sprachübertragung. Es ist unvorstellbar, was das heute für einen Leitungsaufwand erfordern würde. Für jede Stelle der zu wählenden Rufnummer musste die betreffende Taste so oft gedrückt werden, als es der Ziffer entsprach.  Für die Nummer 297 z.B. wurde die Hunderter-Taste 2-mal, die Zehner-Taste 9-mal und die Einer-Taste 7-mal gedrückt.

    Erst als eine einfache Möglichkeit gefunden wurde, die Telefon-Anschlussleitung wahlweise für Wahl- und Sprachübertragung zu verwenden, gelang es, mit nur mehr zwei Drähten pro Anschluss auszukommen, und durch deren gezielte Unterbrechungen mittels eines mechanischen Gerätes die Vermittlungsstelle über Relais zu steuern. Damit war der Grundstein für den „Nummernschalter“ gelegt, der das Wählen nun bedeutend vereinfachte. Schon 1908 setzte in Deutschland die „Reichs-Telegraphenverwaltung“ erste, 1896 in den USA patentierte Wahlscheiben-Nummernschalter ein. 1913 reichte Siemens & Halske ein Patent eines zwar mechanisch relativ komplizierten, aber genial gelösten Nummernschalters ein, der in der Folge viele Jahrzehnte lang praktisch weltweit Verwendung fand.

    In Österreich traute man offenbar den Telefonbenützern vorerst aber nicht zu, dass sie (4 bis 6!) Ziffern einer Nummer nacheinander direkt wählen können. Denn mit der Automatisierung dieser Telefonnetze  wurde 1914 in Wien, und ab 1925 in Graz und Linz der „Stellhebelapparat“ nach dem System Johann Föderl eingeführt. Wie eine mechanische Registrierkasse hatten solche Apparate soviele Stellhebeln, wie die Rufnummern Stellen hatten, das waren in Wien sechs, in Linz und Graz vier. Man stellte damit zunächst die ganze zu wählende Rufnummer ein, anschließend wurde diese durch Drehen einer Kurbel „abgesandt“.

    Ein Nummernschalter, der dem Siemens-Patent entspricht, besass eine kreisrunde „Fingerlochscheibe“ (offizielle Bezeichnung) mit am Umfang verteilten 10 Löchern. Jedem Loch war dahinter eine Ziffer von 1 bis 9, sowie 0 zugeordnet. Vor dem Wählen musste man zunächst den Handapparat (Hörer) abheben (was für ausschließliche Handy-„user“ nicht selbstverständlich ist!) um die „Leitungsschleife“ zur Vermittlungsstelle vorerst zu schließen und damit der Vermittlungsstelle den Wahlbeginn zu signalisieren („Belegung“ genannt). Eine Ziffer wurde gewählt, indem man einen Finger in das entsprechende Loch steckte und die Wählscheibe im Uhrzeigersinn bis zum „Fingeranschlag“ drehte. Die abgebildete Scheibe ist der sichtbare und vom Benutzer zu bedienendeTeil. 

    Dahinter liegt der eigentliche „Nummernschalter“. Hier wird durch die Drehbewegung eine Rückholfeder gespannt. Wird der Finger herausgezogen, dreht die Rückholfeder, abgebremst durch einen Fliehkraftregler, die Fingerlochscheibe in ihre Ruhelage zurück. Bei diesem „Ablauf“ wird eine der gewählten Ziffer entsprechende Anzahl von Unterbrechungen der Anschlussleitung, mit einer durch den Fliehkraftregler festgelegten Geschwindigkeit erzeugt und so die gewählte Ziffer der Vermittlungsstelle „mitgeteilt“.

     Beim „Aufziehen“ des Nummernschalters wird der nsa- (Nummern-Schalter-Arbeits-) Kontakt mechanisch geschlossen und bleibt dies bis zum Ende des „Ablaufs“. Er überbrückt den inneren Sprechkreis und verhindert damit, dass die Wählimpulse .als Knackgeräusche in den Hörer gelangen.

    Die Wählimpulse werden durch den nsi- (Nummern-Schalter-Impuls-) Kontakt erzeugt, der vom „Stromstoßrad“ (oder „Impulsscheibe“) betätigt, die Leitungsschleife (a+b-„Ader“) rhythmisch entsprechend der gewählten Ziffer unterbricht.

    Der nsr- (Nummern-Schalter-Ruhe-) Kontakt  überbrückt den nsi-Kontakt am Anfang oder am Ende der Impulsserie. Dadurch entsteht zwischen zwei gewählten Ziffern eine genügend große Pause um sie von einander zu trennen, sodass z.B. zwei schnell hintereinander gewählte „1“ von der Vermittlungsstelle nicht als „2“ verstanden werden. Anfangs hatten die Nummernschalter den nsr-Kontakt noch nicht, dieser wurde erst ab ca. 1938 eingeführt. Bei Nummernschaltern der letzten Generation (ab Ende der 1970-er Jahre) übernahm die Aufgabe des nsr-Kontaktes ein mechanischer Bauteil aus Kunststoff.


     Der Normal-Wahlscheibe waren weltweit die Ziffern 1- 9 und 0 in dieser Reihenfolge gegen den Uhrzeigersinn zugeordnet, wobei die Anzahl der Wählimpulse („Schleifenunterbrechungen") der gewählten Ziffer entsprachen (10 Impulse entsprachen z.B. der „Null“).

    Aber Wien „war anders“. Die Ziffernfolge der alten Wiener Wahlscheiben begann mit „0“, was 1 abgegebenen Impuls entsprach. Die gewählte „1“ lieferte 2 Impulse, bis schließlich die gewählte „9“ 10 Impulsen entsprach. Außerdem war den Ziffern 0 bis 9 die Buchstabenreihe IFABRUMLYZ“ in dieser Reihenfolge zugeordnet, d.h. der Buchstabe „F“ z.B. entsprach der Ziffer 1 auf der Wahlscheibe, das waren 2 abgegegebene Impulse. Damit konnten Ziffern-Buchstaben-Kombinationen als Rufnummern vergeben werden, was das Merken der Nummern erleichtern sollte. Die verwendete Buchstabenauswahl war mit der um 1 Stelle kürzeren Ziffernfolge mnemotechnisch angeblich besonders einprägsam. Man wählte z.B. die tatsächliche („technische“) Rufnummer 23 45 67, infolge der „verschobenen“ Wahlscheibe, als „F 23 45  6 " (F = 2 Impulse, 2 = 3 Impulse usw.). Die veralteten Wiener Wahlscheiben wurden ab 1957 gegen Normalwahlscheiben ausgetauscht und die Buchstaben-Ziffern-Rufnummer (B-Nummern) in ausschließliche Ziffern-Rufnummern (Z-Nummern) geändert, wie international üblich. Das war wegen der damals bevorstehenden Einwahl aus dem Ausland unerlässlich.

    Der Nummernschalter war in allen Wählsystemen eine der kleinsten selbstständigen Funktionseinheiten, aber auch eine der wichtigsten. Das trifft ebenso auf die nachfolgenden elektronischen Tastwahlblöcke zu.

    Ab etwa 1980 wurde in ganz Österreich die Tastwahl eingeführt und die Wahlscheiben-Apparate gegen Tastwahl-Apparate getauscht. In der Folge wurden diese im Zusammenhang mit der Einführung von digitalen Wählsystemen von Impulswahl auf MFV umgeschaltet (= Mehr-Frequenz-Wahl-Verfahren, auch als MFC = Mehr-Frequenz-Code,  oder Tonwahlverfahren bekannt).

    Aber bei Mobiltelefongeräten des 21. Jahrhunderts, die viel mehr anbieten, als nur Telefonieren, ist auch Tastwahl schon „Schnee von gestern“. Heute wird auf Smartphones „gewischt“ (Stand Mai 2017, wer weiß, was die Zukunft bringt?)

    Foto Nachrichtentechnik einst und jetzt

    links : Wahlscheibe Oberseite

    rechts : Wahlscheibe Unterseite mit nsa-, nsi-, nsr-Kontakt, Antriebsrad, Stromstoßrad und Fliehkraftregler

     

     


    Datum 1896-1980
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