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    Transportable Vermittlungsstellen  19 von 19vorhergenden Seite

    Transportable Vermittlungsstellen [weitere Details...]
    Transportable Vermittlungsstellen

      

    Artikel von Ing. Emmerich Gaigg

    Analoge Wählämter wurden in der Regel in festen Gebäuden untergebracht, am Anfang der Automatisierung hauptsächlich in Postamtsgebäuden. Als aufgrund des Teilehmerzuwachses die Ämter immer größer werden mussten, wurden Neubauten errichtet. Für Hebdrehwähler- und Motorwählersysteme war der Raumbedarf relativ hoch. Und weil man Neubauten mindestens für den prognostizierten Endausbau dimensionieren musste, dauerte es besonders bei großen Ämtern, aufgrund der langen Hochbauzeit und der umfangreichen Montage, oft sehr lange bis zur Inbetriebnahme. Man suchte daher eine Möglichkeit, den steigenden Anschlussbedarf rascher zu befriedigen. In einigen Fällen wurden provisorische Wählämter oder Wählamtserweiterungen vorübergehend in behelfsmäßig adaptierten Räumen aufgebaut (z. B. Linz/Grillparzerstraße, Schwanenstadt, u.a.). Diese Provisorien waren in Relation zu ihrer Nutzungsdauer natürlich teuer.

    Ende der 1950-er Jahre wurden in Deutschland „fahrbare Wählämter“ als Übergangslösung „erfunden“. Etwa 1965 übernahm man diese Idee auch in Österreich. Die ÖAF „Österreichische Automobil-Fabrik AG“ in Wien-Floridsdorf (heute MAN Nutzfahrzeuge) bekam von der ÖPT den Auftrag ein Gehäuse mit demontierbarem, zweiachsigem Fahrgestell nach dem deutschen Vorbild zu liefern. Gelegentlich wurden später diese Gehäuse als „große Container“ bezeichnet (zum Unterschied zu den nachfolgend beschriebenen kleineren „Kapsch-Containern“). Sie waren aber in jeder Hinsicht eine Sonderkonstruktion und hatten mit den üblichen Containern nichts gemein. Mit dem Einbau der fernmeldetechnischen Einrichtungen (Wählsystem 48 M) wurde die Firma Siemens (damals WSW = Wiener Schwachstromwerke) beauftragt. Das erste österreichische fahrbare Wählamt wurde 1966 in Wien-Kagran in Betrieb genommen. In weiterer Folge wurde u.a. ein gleiches für Linz gebaut,  am 25.11.1969, komplett mit den montierten und betriebsbereit verkabelten Wähleinrichtungen, auf der Straße von Wien nach Linz überstellt und auf einem Grundstück in Kleinmünchen an der Josef-Denk-Straße, gegenüber dem geplanten Wählamts- und Postamtsneubau aufgestellt. Dieser Transport wurde von der Postautobetriebleitung Wien durchgeführt, die späteren, innerhalb Oberösterreichs, von der Kraftfahrstelle des FBAU Linz.

    Ein fahrbares Wählamt mit der vollständigen Inneneinrichtung wog mehr als 10 Tonnen. Die Belastung der vorderen Achse war – infolge der dort situierten Batterie – etwas höher als 50 % der Gesamtlast. Die Bereifung der Zwillingsräder erlaubte mit dieser Achsbelastung eine Maximalgeschwindigkeit von nur 30 km/h. Der Transport mit einer Zugmaschine auf der Bundesstraße B1 von Wien nach Linz dauerte daher entsprechend lange.

    Das Fahrgestell war für alle fahrbaren Wählämter Österreichs nur ein einziges Mal vorhanden. Es wurde für den Transport an das jeweilige Gehäuse montiert. Durch gleichmäßiges Anheben des Wählamtes am Aufstellungsort mittels vier schwerer Wagenheber und Aufbocken war es möglich, das Fahrgestell, das aus zwei unabhängigen Achsen bestand, zu demontieren. Anschließend wurde das Wählamt auf zwei vorbereitete Beton-Streifenfundamente abgesenkt. Die Fundamente mussten mit der Oberkante niveaugleich mit dem Terrain verlegt werden, damit sie bei der Aufstellung befahren werden konnten. Sie mussten auch in jeder Richtung exakt waagrecht eingerichtet werden, weil es am Gehäuse selbst keine Vorrichtung zur Nivellierung gab. Die Aufstellungsfläche und die Zufahrt mussten befestigt sein, um das schwere Gefährt sicher und genau zu den Fundamenten fahren zu können. Ein fahrbares Wählamt auf der „grünen Wiese“ wäre daher nicht gut möglich gewesen.

    In den ersten fahrbaren Wählämtern konnten Einrichtungen für 200 Einzelanschlüsse (EA) und 200 „Viertelanschlüsse“ (GA) untergebracht werden, also für (theoretisch) insgesamt 1000 Telefonanschlüsse. Sie wurden in der Regel als Teilämter stationärer Vollämter betrieben. Im Falle Kleinmünchen erfolgte der Anschluss an das Wählamt Linz/Haydnstraße mittels 3-adriger Vermittlungsleitungen (d. h. ohne Leitungsübertragungen, für die in dieser ersten Ausführung kein Platz gewesen wäre). Die Wähleinrichtungen waren in zwei, längsseitig parallele Gestellreihen eingebaut, die Vorderseiten zueinander. Die Raumverhältnisse waren beengt, weil die Außenbreite des Fahrzeuges nach dem Kraftfahrgesetz 2,55 m nicht überschreiten durfte.

    1977 wurden bei der Firma Gföllner Fahrzeugbau GmbH in Grieskirchen zwei weitere Gehäuse in Auftrag gegeben, die gegenüber der ersten Ausführung einige Konstruktionsänderungen aufwiesen. Auch der Aufstellungsplan wurde etwas geändert. In den ersten fahrbaren Wählämtern war der Hauptverteiler (Vh) in einem vom Wählerraum getrennten, schmalen Raum untergebracht, der durch einen eigenen Eingang von außen zugänglich war, weil in Wien Vh und WA von unterschiedlichen Dienststellen betreut wurden. In der zweiten Generation für OÖ war der Vh innerhalb des Wählerraumes, an dessen Ende situiert. Damit konnte eine, wenn auch geringe, Platzeinsparung erzielt werden. Platz zu sparen war bei den beschränkten Raumverhältnissen wichtig. Die in der ersten Generation eingebauten GA48-Einrichtungen, d.h. pro 100 Stammleitungen vier Gestellrahmen mit je 25 GA/4-Übertragungen, wurden in der zweiten Generation durch die neuen GA78 in Einschubbauweise ersetzt, die pro 100 Stammleitungen nur 1 Gestellrahmen benötigten. Damit war es möglich, nach Bedarf entweder die Anschlusskapazität des fahrbaren Wählamtes zu erhöhen, oder/und zusätzliche Einrichtungen unterzubringen (z.B. Leitungsübertragungen, weitere Wahlstufen, oder dgl.). Eines dieser Wählämter der zweiten Generation wurde zunächst als Zwillingsamt zum bestehenden fahrbaren Teilamt Kleinmünchen verwendet, das andere nacheinander in Linz/Ebelsberg, Traun, Linz/Steg, Linz/Auwiesen und in Haibach o. d. Donau. In Kleinmünchen wurden die beiden fahrbaren Wählämter erst 1988 nach der Inbetriebnahme der dort errichteten OES-Vermittlungsstelle abgeschaltet. Das fahrbare Wählamt „der ersten Stunde“, das fast zwei Jahrzehnte in Betrieb war und dessen Gehäuse daher schon „altersschwach“ war und für einen längeren Transport nicht mehr sicher erschien, wurde verschrottet, das neuere für weitere Einsätze bereit gehalten

    Zwei Ingenieure, die in der Firma Siemens mit dem Bau der fahrbaren Wählämter befasst waren, wechselten mit diesem Know how zur Firma Kapsch. Sie entwickelten dort für kleinere Verhältnisse bis 200 Einzelanschlüsse ein billigeres, transportables Wählamt, in einem adaptierten, fensterlosen 10 ft Container, wie er z. B. auch als Bau- bzw Lagercontainer Verwendung findet. Das erste Containerwählamt wurde 1967 in Breitenfurt bei Wien in Betrieb genommen.  Bald darauf erfolgten Containereinsätze auch in Oberösterreich und in den anderen Bundesländern. Die beiden Herren hatten allerdings, wie sie später zugaben   nicht damit gerechnet, dass die Containerwählämter in großer Zahl eingesetzt würden. Aber in der Folge entwickelte sich dieser Typ zu einem „Renner“ (1971 waren es österreichweit schon 100 !). Die Montage der Wähleinrichtungen, beschränkte sich mit der Zeit nicht allein auf die Firma Kapsch, sondern wurde teilweise, besonders bei Änderungen, auch von Bautruppkräften des Fernmeldebauamtes Linz durchgeführt.

    Sowohl die Container, als auch die fahrbaren Wählämter waren ursprünglich als Kompromiss und als schnell verfügbare Übergangslösungen gedacht. Aber sie wurden in der Folge auch für Dauereinsätze verwendet, wenn auch im Endausbau nur wenige Anschlüsse zu erwarten waren. Man ersparte sich auf diese Weise einen schlecht ausgenützten Neubau.

    Der Transport der Containerwählämter, voll bestückt mit den Wähleinrichtungen, erfolgte in der Regel auf einem Tiefladeanhänger. Die Verladung für den Transport und die Aufstellung am Verwendungsort wurde mit einem Kranwagen durchgeführt. Da die ÖPT zunächst keine geeigneten Fahrzeuge besaß, wurden anfangs jeweils ein Tieflader und ein Kranwagen des Bundesheeres angefordert. 1969 hat die ÖPT wegen des häufigen Bedarfes einen LKW-Zug mit Kranwagen und Tieflader angeschafft. Die Container wurden auf zwei Betonfundamenten, quer zur Längsseite, abgestellt und verschraubt. Anders als für die fahrbaren Wählämter, mussten diese Fundamente nicht niveaugleich mit dem Terrain verlegt werden, da der Container ja mit einem Kran auf die Fundamente gehievt wurde. Die Aufstellungsfläche musste nicht befestigt werden. Es waren nur Vorkehrungen zu treffen, dass der LKW-Zug auf „Kranlänge“ zufahren und manövrieren konnte. Das gelang aber sogar bei sehr beengten Platzverhältnissen, wie z. B. in Hallstatt. Die Containerwählämter waren also „beweglicher“, als die fahrbaren Wählämter.

    Eingebaut wurden in die Container vorerst nur Hebdrehwähler-Einrichtungen. Einerseits, weil die Firma Kapsch nur diese erzeugte, und anderseits wegen des etwas geringeren Platzbedarfes gegenüber Motorwähler-Einrichtungen. Je nach eingebauten Einrichtungen konnten sie entweder als Vollämter, oder als Teilämter betrieben werden.

    So, wie in den fahrbaren Wählämtern, waren auch hier die Wähleinrichtungen in zwei zu einander gerichteten, parallelen Gestellreihen eingebaut. Gemeinsam hatten die beiden Typen eine nach allen Seiten „weiche“ Befestigung der Gestellreihen an den Wänden, bzw. am Fußboden (ohne die sonst üblichen Gestellfüße), um eine schädliche Erschütterung der Einrichtungen beim Transport weitgehend zu vermeiden.

    Anfang der 1980-er Jahre wurde ein transportables Gehäuse für Kleinteilämter (KTA) entwickelt. Es wurde allerdings selten eingesetzt, in Oberösterreich z. B. in Partenstein.

    Auch für Mobilfunkeinrichtungen werden seit den 1980-er Jahren Container verwendet, die etwas kleiner sind, als die Wählamtscontainer.

    Für Umschaltezwecke wurde Anfang der 1990er Jahre ein größerer Container mit OES-Einrichtungen für einige hundert Teilnehmer ausgestattet. Soweit ich mich erinnern kann, wurde in Oberösterreich ein solcher nur 1996 in St. Martin i. Mkr. verwendet, nachdem er 1994 in Eugendorf (Salzburg) im Einsatz war.

    In den späten 1990-er Jahren hat das Fernmeldebauamt Linz einige ausgediente analoge Wählamtscontainer zu OES-UVST (Unselbstständige oder Untervermittlungsstellen) für jeweils 900 Teilnehmer (1 DLU) mit eigenen Arbeitskräften umgebaut. Die „Infrastruktur“, d.h. Hauptverteiler, Leitungsübertragungen und Stromversorgung, wurden vom vorherigen analogen Einsatz weiterverwendet.

    Sowohl die fahrbaren, als auch die Containerwählämter waren für das Personal allerdings alles andere als komfortabel. Obwohl alle mit Lüftungsgeräten ausgestattet und besonders die Gehäuse von Gföllner gut isoliert waren, war es  aufgrund der zusätzlich zur Außentemperatur von den Geräten erzeugten Verlustwärme, im engen Innenraum im Sommer sehr heiß. Die beengten Raumverhältnisse, und daher das Fehlen von Prüf- und Wartungsplätzen, waren das eine, keine Toiletten und nicht einmal die Möglichkeit, sich nach der Arbeit die Hände zu waschen, das andere. Die fahrbaren Wählämter wurden meistens solitär eingesetzt. Nur in Kleinmünchen standen zwei nebeneinander. Containerwählämter mussten wegen der geringeren Kapazität dagegen oft auch in größerer Zahl pro Standort verwendet werden, wodurch sich natürlich der Wartungsaufwand vor Ort erhöhte. Das Maximum in Oberösterreich waren vier Container in Haid b. Ansfelden.

    Gelegentlich kam es zu Problemen mit den Bau- und Umweltschutzbehörden, mit den Gemeinden oder mit Anrainern. Die grauen, fensterlosen Kästen waren ja nicht unbedingt eine Augenweide. Von den Behörden vorgeschriebene Umfärbungen, Überbauungen – Almhütten oder Heustadeln ähnlich – waren in einzelnen Fällen die Lösungen, die allerdings auch nicht schöner waren, als die „nackten“ Gehäuse. Das erste fahrbare WA war „postgelb“.

     Foto-Montage 1 von Nachrichtentechnik einst und jetzt:

    1 - Transport eines fahrbaren Wählamtes

    2 - Aufstellung eines Containerwählamtes

    3 - Containerwählamt in Fornach (als Teilamt des WA Vöcklamarkt)

    4 - OES-Container (UVST-Eugendorf) 

    Zusätzliche Foto-Montage  siehe weitere Details!

     

     


    Datum 2017
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