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    Anastasius-Grünstraßen-S....  7 von 19vorhergenden Seitezur nächsten Seite

    Anastasius-Grünstraßen-Story [weitere Details...]
    TBA Gebäude Linz

    Von Emmerich Gaigg 1978

     

    Es war einmal ein Haus, mit einem hohen Kamin, wie im Märchen („... dieses Haus war alt und hässlich ...“)  In jungen Jahren beherbergte es eine Pinselfabrik. Nach 1938 diente dieses Haus am Standort Grillparzerstraße 6 dem Telegraphenbauamt Linz als Behausung. Ringsherum wuchsen Holzbaracken aus dem Boden. Ringsherum fielen auch während des Zweiten Weltkrieges Bomben (gleich um die Ecke liegt jene Stelle des Linzer Telefonkabelnetzes, das die meisten Bombenschäden aufwies). Was ein echtes Märchenhaus ist, trotzt allen Anfechtungen.

    Eine gute Fee ließ den Wunsch nach Telefonanschlüssen im Stadtzentrum ins fast Unermessliche wachsen, sodass man an ein neues Wählamt denken musste, das wegen der zu erwartenden Größe in dem alten Haus aber nicht Platz gehabt hätte. Auch ein aufgelassenes Kloster, wie anderorts, stand in der in Frage kommenden Gegend nicht zur Verfügung. So entschloss sich die Obrigkeit Ende der 1950er Jahre – wahrscheinlich schweren Herzens – einige der um das alte Haus herangewachsenen Baracken zu schleifen und dort am Standort Anastasius Grünstraße 5 einen Neubau zu errichten., der neben dem neuen Wählamt „Anastasius-Grünstraße“ auch mehrere Dienststellen des Telegraphenbauamtes aufnehmen sollte. Schweren Herzens sah aber auch die Belegschaft einen alten Baum fallen, der jedes Jahr, just um die Muttertagszeit, herrlich blühte. Als botanische Banausen nannten wir ihn deshalb den „Muttertagsbaum“, die wissenschaftliche Bezeichnung missachtend. 

    In dem durch das neue Wählamt mit Telefonanschlüssen zu versorgenden Gebiet gab es im Planungsjahr 1959 weniger als 2500 Hauptanschlüsse. Wir planten ein Wählamt für etwas mehr als 16.000 Hauptanschlüsse im Endausbau. Und dem Planer graute damals vor soviel tollkühnem Optimismus. Es sei vorweggenommen, dass an dieses Wählamt, das bis Anfang der 1970er Jahre zum größten Ortswählamt von Linz geworden ist, 1977 (d.h. nicht einmal 20 Jahre nach Planungsbeginn) 18.000 Hauptanschlüsse angeschlossen waren und man guten Grund hatte, mit einem Endausbau von 40.000 zu rechnen.

    Im Jahre 1959 begann nun die Planung des neuen Gebäudes, wobei man von Anfang an von zwei Bauabschnitten ausging. Der erste Bauteil war für das Wählamt und für mehrere TBA-Dienststellen vorgesehen, der zweite für die Telegraphenzeugabteilung. Der erste Bauteil, mit einem umbauten Raum von 13.000 m3, fünfgeschossig, ca. 60 m lang, wurde im Herbst 1962 in Angriff genommen und war im Frühjahr 1965 soweit fertig, dass mit der Montage des Wählamtes begonnen werden konnte. Der Hochbau kostete damals 20 Millionen Schilling. Die technischen Einrichtungen des Wählamtes verschlangen bereits im Erstausbau (für 13.000 Hauptanschlüsse) 28 Millionen. Schon 1969 musste das Wählamt um den Investitionsbetrag von 5.5 Millionen Schilling auf 15.000 Hauptanschlüsse erweitert werden, 1972 mit einem Aufwand von weiteren 1,2 Millionen auf 15.800 Hauptanschlüsse und 1974 um 2 Millionen Schilling auf 16.300 Anschlüsse. Somit wurden im ersten Bauteil technische Einrichtungen um insgesamt 36,6 Millionen Schilling eingebaut.

    Noch war es aber nicht so weit. Nachdem Innsbruck dazu auserkoren war, die olympischen Winterspiele 1964 durchzuführen, musste es ein neues Wählamt bekommen, das ein Provisorium aus den 1940er Jahren zu ersetzen hatte. Weil man das Risiko eines noch wenig erprobten Wählsystems (HK) für die Olypischen Spiele nicht eingehen wollte, wurde dort das neue Amt noch als Hebdrehwähleramt in System 48 gebaut. Provisorien haben bekanntlich ein langes Leben, dem Innsbrucker Provisorium wurde sogar ein zweites eingehaucht, denn wir übernahmen davon 1.600 Anrufeinheiten des Reichspostsystems 40 um sie als „Notamt Grillparzerstraße“ im Erdgeschoß der ehemaligen Pinselfabrik einzubauen. Die Kosten waren mit 2,7 Millionen Schilling annehmbar und wir konnten damit die Zeit bis zur Fertigstellung des Neubaues mit einem blauen Auge überbrücken. Da es in einem Aufwaschen ging, hatten wir auch gleich Registerverzoner mit aufgebaut, um das Hauptbereichsamt in der Domgasse zu entlasten. Die Registerverzoner wurden sogar noch vermehrt, als das Orts-Notamt bereits abgetragen war, und sie verschwanden erst endgültig 1976, als das neue Hauptbereichsamt in der Fadingerstraße in Betrieb ging.

    Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnittes des Wählamtes „Anastasius-Grünstraße“ erfolgte schließlich am 15. Juli 1966, die feierliche Eröffnung am 20.Juli 1966. Aber noch einmal musste das Notamt im Altbau Grillparzerstraße herhalten und als Übergangslösung 1.800 Hauptanschlüsse aufnehmen (diesmal aber in Motorwählertechnik 48M), um die Zeit bis zur Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes notdürftig überbrücken zu können.

    Dieser zweite Bauabschnitt war jetzt nicht mehr – wie ursprünglich geplant – für die Telegraphenzeugabteilung bestimmt, sondern in erster Linie für die Erweiterung des Wählamtes. Dieser Bauteil ist mit 12.500 m3 umbauten Raum etwa so groß, wie der erste Bauteil.  Die Hochbauplanung begann 1971, Baubeginn war im August 1973. Im April 1976 war es so weit, dass die Montage der Wählamtseinrichtungen beginnen konnte. Die Inbetriebnahme des neuen Wählamtsteiles  („6-er Amt“) erfolgte am 22. Juni 1977. Wieder musste die ÖPT 54 Millionen Schilling in die Hand nehmen, sodass alles in allem (Hochbau und technische Einrichtungen) bis 1977 rund 157 Millionen Schilling die Millionen Blüten des Muttertagsbaumes zu ersetzen versuchten.

    Die alte Pinselfabrik wurde mit einem Kostenaufwand von 23 Millionen Schilling umgebaut und renoviert. Der Märchenkamin ist dem Umbau zum Opfer gefallen – so wie einst der Muttertagsbaum. In unserer Zeit ist kein Platz für Romantik, schon gar nicht in, um und an einem Amt.

    (Weitere Informationen siehe „Chronologie und technische Daten des Wählamtes Anastasius-Grünstraße“)

    Foto Nachrichtentechnik einst und jetzt:

    Im Vordergrund das Telegraphenbaumts- und Wählamtsgebäude Linz-Anastasius-Grünstraße. Im Hintergrund das alte Gebäude in der Grillparzerstraße.

     

    Zusätzliches Bild siehe weitere Details!

     

     

     

     

     

     


    Datum 1959-1977
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