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    Das Märchen von der Computermischung
    Mischplan_2a

    Ing. Emmerich Gaigg 2014

     

    Die verschiedenen Mischungsverfahren Staffeln, Übergreifen und Verschränken sind jedem, der in der Wählerei jemals mit Mischungen und Mischplänen zu tun hatte, Begriffe. Die Mischpläne nach diesen Verfahren entstanden auf dem Reißbrett. In Wien und Linz war zu Zeiten der konventionellen Wählsysteme die Erstellung von Mischplänen Aufgabe der Planungsstellen für Kommunikationstechnik. Mischungspläne haben mich durch 45 Dienstjahre begleitet und beschäftigt. Mischungen, die „aus dem Computer kamen“ waren nicht darunter.

     

    Für die Mischung der VW-Ausgänge und von den letzten GW-Stufen zu den Leitungswählern gab es verbindliche FZA-Normpläne. Obwohl es für Mischungen zwischen den GW-Stufen Musterpläne für den „Idealfall“ gab, mussten in der Praxis diese Mischpläne doch oft individuell erstellt werden. Es störte mich schon die längste Zeit, dass die teilweise fantasievoll (oder auch fantasielos) erstellten Mischpläne sich in den Grundsätzen stark unterschieden und vor allem bei Erweiterungen Probleme bereiteten. Die Prüfung der untereinander und in sich unterschiedlichen Mischungsmuster war, besonders wenn sie umfangreich waren, schwierig und sehr, sehr aufwändig. Solange die Wählämter handlich klein bis mittelgroß waren, waren auch die Probleme klein. Aber als die großen Motorwählerämter „ins Land zogen“, war das alles nimmer so einfach. Besonders die Mischungen der 19 Ausgänge je Dekade der Zweidraht-Motorwähler 48M, mit Kombination von Übergreifen und Verschränkung verführten dazu, bei Erweiterungen der Einfachheit halber lediglich „etwas“ anzuhängen.

     

    Nach monatelanger (natürlich nicht ständiger) Tüftelei kreierte ich eine, über alle 19 Drehschritte verschränkte Mischung, die so verschränkt war wie ehedem, also nichts Neues. Zur Vermehrung der Ausgänge wurde diese Verschränkung in bestimmten Ebenen waagrecht „durchgeschnitten“ und gestaffelt. Wenn dann z.B. die Anzahl der Gestellrahmen (GR) erhöht wurde, sodass die gleiche Anzahl an Abnehmern auf mehr GR als bisher aufgeteilt werden musste, wurden die entsprechenden Verbindungen nach dem vorgegebenen Muster wieder hergestellt und das immer einheitlich. Eine vom Mischplan abgeleitete Schaltliste war insofern leicht zu handhaben, als wegfallende Verbindungen lediglich gestrichen werden mussten und dafür kein Ersatz nötig war. Da das Muster über das ganze Ausgangsfeld vorgegeben war, war die Prüfung der so erstellten Mischpläne einfach und effizient.

     

    Der Unterschied zu den gewohnten Mischungen lag bei der Verhinderung des Überhörens zwischen den Dekaden. Beim Hebdrehwähler wurde das Überhören damit verhindert, dass waagrechte Vielfachschaltungen und Verschränkungen je Höhenschritt wechselten. Bei den Norm- und Musterplänen für Motorwähler wurde das damit erreicht, dass dieser Wechsel innerhalb jeder Dekade stattfand. Da es dafür aber keine verbindlichen Richtlinien gab, war dies bei den hausgemachten Motorwählermischungen nicht in jedem Fall gewährleistet.

     

    Das  Neue an meiner Mischung war, dass sie in allen Dekaden gleich war und ausschließlich aus Verschränkungen bestand und der Verschränkungswinkel oder die Richtung, oder beide, sich von Drehschritt zu Drehschritt so änderten, dass es kein Überhören zwischen den Dekaden gab. Das verlangte natürlich nach einem „exotischen“ Strickmuster und viele Kollegen waren der Meinung, dass so etwas „Verrücktes“ keinem menschlichen Hirn einfallen könne, das müsse von einem Computer kommen. So entstand das Märchen von der Computermischung, obwohl ich das immer und immer wieder dementierte. Ich hatte alles empirisch entwickelt gehabt, von einem Computer keine Spur. Von Computern wussten wir damals, Anfang der 1970er Jahre, nicht viel mehr, als dass es sie gab. Und wenn wir Zugriff auf einen Computer gehabt hätten, hätte es wahrscheinlich kein geeignetes Programm gegeben. Allerdings wurde etwa zur selben Zeit vom FTZ Darmstadt eine Mischung publiziert, die tatsächlich auf einem Computer gemacht wurde, und mit der meine „händisch gezimmerte“ eine entfernte Ähnlichkeit hatte.

     

    Altpräsident Dr.Oettl, Professor für Verkehrstheorien an der TU Graz, meinte allerdings, dass diese Mischung verkehrstheoretisch nichts bringe. Dass meine Mischung verkehrstheoretisch nicht besser war als andere, bestreite ich nicht, aber auch nicht schlechter, denn etwa die Staffelung wurde genau so angewendet, wie bisher. Sie brachte aber, was ich angestrebt hatte, Vereinheitlichung und Vereinfachung in der Handhabung, sowohl auf dem Reißbrett als auch am Zwischenverteiler. Ich ließ z.B. in der Werkstätte des FBAU eine Schablone anfertigen, mit der diese Mischpläne rasch und unkompliziert gezeichnet werden konnten. In aller Bescheidenheit darf ich erwähnen, dass diese Entwicklung u. a. von der Generaldirektion mit „Dank und Anerkennung“ gewürdigt wurde.

     

    Auch bei der Belegung von Eingangswahlstufen (z.B. II.GW, VbGW, I.NGW usw.) drehte ich an mancher Schraube. Die Änderung war allerdings so simpel, dass sie niemand einem Computer zuschrieb. Der Schritt war logisch, aber es hatte ihn bisher niemand getan. Bei internen Verbindungen zwischen Wahlstufen wurden die Mischungsausgänge bisher schon auf die Abnehmer-Gestellrahmen gleichmäßig aufgeteilt. Nicht so bei Verbindungen, die über Vermittlungsleitungen hergestellt wurden. Die Belegung der Gestellrahmen der Eingangswahlstufe erfolgte in der Regel analog zu den Leitungsnummern fortlaufend „von oben nach unten“. Wenn ein einziger GR für die ankommenden Leitungen reichte, war das ja kein Problem und es gab in diesem Fall ohnedies keine andere Lösung. Wenn die Anzahl der Vermittlungsleitungen und damit die der GR aber größer und größer wurde, hatte das meistens eine ungleichmäßige Verkehrsaufteilung zur Folge und damit eine schlechte Ausnützung der weiterführenden Verbindungswege (die ersten GR wurden übermäßig, die letzten zu wenig bzw. gar nicht belastet). Ich ließ die Vermittlungsleitungen „waagrecht“ auf die Wähler-Gestellrahmen aufteilen. Damit kamen auf jedem Gestellrahmen Vermittlungsleitungen mit starkem Verkehr und solche mit schwachem Verkehr bunt gemischt zu liegen.

     

    Der Arbeitsaufwand für die Umrangierung von der senkrechten auf die waagrechte Belegung war besonders in großen Vermittlungsstellen, wo der größte Erfolg zu erwarten war, allerdings erheblich. Die Umschaltung bei laufendem Betrieb musste haargenau geplant werden, um Betriebseinschränkungen möglichst gering zu halten. Der Vorteil war eben, dass sich damit der Verkehr auf alle GR gleichmäßig verteilte, das brachte in manchen Fällen sogar eine Einsparung an Vermittlungsleitungen, mindestens aber weniger „Gassenbesetzt“.

     

    Bei manchen Kollegen des Betriebes löste ich mit dieser Maßnahme allerdings nicht helle Begeisterung aus, denn nun war eine Verbindungsverfolgung ohne Verwendung des Gestellspiegels nicht mehr möglich.

     

    Seit dem Einsatz von rechnergesteuerten Wählsystemen und der nachfolgenden Digitalisierung des Fernsprechnetzes sind Mischungen „Geschichte“. Diese kleine Geschichte aber ist mein letzter Versuch, dass das Märchen von der Computermischung endgültig in der Märchenkiste abgelegt wird.

    Jahr/ Datum  2014

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