Webseiten
  • Homepage
  • Suchen
  • Was ist Neu
  • Sitemap
  • Login

  • Kategorien
     > Geschichte der Telek..
       Geschichte der Telek..
        Geschichte der Tele..
       Zeittafel EDV 1953-1..
       Wählamtseinschaltung..
       Tonbandkundendienste..
       >> Geschichtenarchiv

    Suchen

    Homepage > Geschichte der Telekommunikation unter besond.. > Geschichtenarchiv
    Telefonische Zeitansage  4 von 19vorhergenden Seitezur nächsten Seite

    Telefonische Zeitansage

    In Linz begann es

     

    Mit dem Summerton ist es ... bald aus und vorbei

    (Von  Ing. Emmerich Gaigg 2008)

     

     

    Wie vieles Gewohnte und Bewährte aus unserer Umwelt verschwindet, weil es sich nicht mehr „rechnet“, so müssen wir auch in einem Jahr, ab 12. Mai 2009, auf die telefonische Zeitansage der Telekom Austria verzichten.

    In Deutschland war sie von der Deutschen Reichspost 1935 eingeführt worden. In Österreich war Linz die erste Stadt mit diesem Kundendienst, und zwar ab 21.Juni 1941, 13.00 Uhr. Das wissen allerdings nur einige „alte Hasen“ vom Fach. Zunächst wurde ein Bildtonverfahren verwendet. Die Ansagen der Stunden und Minuten kamen von je einem Filmstreifen, „aufgewickelt“ auf einer gemeinsamen Trommel, deren Drehbewegung von einer genauen Uhr gesteuert wurde. Die Tonspuren wurden wie beim Tonfilm von zwei Fotozellen abgetastet. Insider nannten die Zeitansageeinrichtung „eiserne Jungfrau“. Schon am 27. Juni 1941 berichtete die Linzer „Tages-Post“, dass sich die Zeitansage „bereits einer überraschenden Beliebtheit erfreut“. Seither sind fast 70 Jahre vergangen, beliebt sind die netten Damen, die in der Folge einige Male gewechselt haben, aber allemal noch.

     

    Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen sukzessive auch andere Städte in den Genuss der automatischen Zeitansage, die für ganz Österreich über Jahrzehnte von Linz „ausgestrahlt“ wurde (z.B. Salzburg ab 10.11.1947, St. Pölten 1953). In Wien konnte man zwar schon seit 1929 das Zeitzeichen der Urania-Sternwarte anrufen, ein Piepston in Sekundenintervallen, die sogenannte „Normalzeit“. Das war also der allererste Telefonkundendienst in Österreich. Aber die gesprochene Zeitansage mit Stunden- und Minutenansage wurde in Wien erst 1948 von Linz übernommen.

     

    Ab 17.12.1960 ersetzte ein Magnettonverfahren das Bildtonverfahren, ergänzt um die Ansage der Sekunden. Nunmehr waren es drei Endlos-Tonbänder, je eines für Stunden, Minuten und Sekunden, von denen die Ansagen kamen. Die aus Deutschland komplett mit Aufsprache gelieferten Tonbänder mussten allerdings von einer österreichischen Schauspielerin neu besprochen werden, weil der „preußische“ Tonfall für österreichische Ohren unzumutbar klang. Seit Ende 1980 kommt die Zeitansage mit der Stimme von Renate Fucik von einem Computer, der aber nicht in Linz, sondern für das ganze Bundesgebiet in Wien angesiedelt ist.

     

    Als ich in jungen Jahren vom Land, wo noch das „Fräulein vom Amt“ die Verbindungs-Wünsche erfüllte, nach Linz kam und hier zum ersten Mal „05“, die damalige Rufnummer der Zeitansage, wählte, bedankte ich mich höflich für die Auskunft und wunderte mich, dass eine Dame mit so netter Stimme nicht einmal „bitte“ sagte. Bedanken möchte ich mich aber jedenfalls bei  jenen Technikern (bei den meisten leider posthum), die sieben Jahrzehnte lang die Uhren und Ansagegeräte penibel gewartet hatten, sodass jedermann jederzeit genau hören konnte wie viel es geschlagen hat, und das ohne Unterbrechung sogar während der Bombenangriffe auf Linz. Auch im Internet- und Funkuhrzeitalter werde ich die telefonische Zeitansage vermissen.

     

    Nachwort  2013 von Gert Nowak:

     

    Mehrere Jahre war ich für die Wartung der Zeitansage (Tonbandsystem der Fa. Siemens) zuständig. Wegen der aufwändigen Mechanik war in 2-Jahresintervallen eine komplette Zerlegung und Generalüberholung notwendig, wobei meistens die Schlingfederkupplungen für den Tonbandantrieb erneuert werden mussten. Unter Berücksichtigung der relativ hohen Anschaffungs- und Wartungskosten sowie der im Ortsnetz Linz durchgeführten Anrufzählung (Rufnummer 15, später 1503) und mit einer Wahrscheinlichkeitshochrechnung auf die täglichen Anrufe in ganz Österreich, habe ich damals eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der Zeitansage durchgeführt. Soweit ich mich erinnern kann, hat sich die Zeitansage ca. im Halbjahreszyklus amortisiert und war somit sehr profitabel.

     

     

    Nachtrag 2013 von DI Soukup:

    Wie aus dem Eintrag in der Geschichte der Telekommunikation zum Datum 12. Mai 2009 hervorgeht, wurde die telefonische Zeitansage dann doch nicht eingestellt, sondern mit geänderter Rufnummer und nicht mehr zum Ortstarif weiter angeboten.

     

     


    Datum 1941-2009