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    Die Landeshauptstadt Linz wird Mill....  10 von 20vorhergenden Seitezur nächsten Seite

    Die Landeshauptstadt Linz wird Millionenstadt
    Rufnummernplan von Linz

    Das Bild zeigt den Rufnummernplan für Linz von 1979 

     

    Telefonzentralen platzen schon aus den Nähten

     

    (VON ING. EMMERICH GAIGG, 1979 abgedruckt im Linzer Tagblatt)

     

     

     

    LINZ. Telefonnummern gehören zu unserem täglichen Leben wie Hausnummern, Kontonummern und Autonummern. Sie verursachen aber gelegentlich mehr Ärger als diese (vielleicht aber doch auch Freude). Sie werden vergessen, verwechselt, schlampig gewählt, es kommt durch technische Fehler zu falschen Verbindungen, sie sind besetzt – und sie werden geändert. Ja, warum werden sie eigentlich „so oft“ geändert?

    Eine Telefonnummer ist nicht einfach eine laufende Nummer, wie etwa eine Aktenzahl oder eine Autonummer, obwohl natürlich auch diesen ein System zugrunde liegt. Sie sind „Adressen“ und daher mit Hausnummern zu vergleichen. Der Vergleich hinkt allerdings gewaltig. Wird eine Straße verlängert, kommen einfach weitere Hausnummern dazu. Die Stellenzahl von Hausnummern ist ja unbegrenzt. Kommen in einer Straße Häuser dazu, die nicht eingeplant waren, hilft man sich mit Buchstaben.

    Ganz anders liegen die Verhältnisse bei Telefonnummern, die Teil eines komplizierten technischen Systems sind, das heute sogar weltweite Ausdehnung hat.

    Mit dreistelligen Nummern von 000 bis 999 könnte man theoretisch tausend Telefonapparate an eine Zentrale anschließen. Man spricht daher von einem „Tausendersystem“. Praktisch können aber in einem öffentlichen Tausendersystem nur 700 Nummern mit Teilnehmeranschlüssen beschaltet werden, weil (in Österreich) die an erster Stelle stehende Eins für Notrufe und Kundendienste, die Null als Verkehrsausscheideziffer für den Fernverkehr und die Neun für die Kurzwahl verwendet werden. Erhöht man die Stellenzahl auf vier, wird daraus das Zehntausendersystem (beschaltbar mit 7000 Anschlüssen), mit einer weiteren Stelle das Hunderttausender- und mit sechs Stellen das Millionensystem. Allerdings gibt es innerhalb dieser Systeme Rufnummern, die jeweils um eine Stelle mehr haben, also – wie im derzeitigen Linzer Hunderttausendersystem – sechs statt fünf Stellen. Das sind die Teilanschlüsse, wie zum Beispiel die bekannten „Viertelanschlüsse“.

    Jede Stelle einer Telefonnummer, die über die dreistellige „Grundnummer“ hinausgeht, erfordert in der Telefonzentrale (dem „Wählamt“) umfangreiche, zusätzliche Apparaturen, deren Kosten in die Millionen Schilling gehen. Es ist daher selbstverständlich, dass man aus wirtschaftlichen Gründen nicht gleich ein Millionensystem aufbaut, wenn in einem Ort nur einige hundert Telefonanschlüsse zu erwarten sind. Auch in den größeren Städten war vor Jahren nur mit einigen tausend zu rechnen. Erst seit das Telefon für jedermann zu einem erschwinglichen Gegenstand des täglichen, ja stündlichen Gebrauchs geworden ist, steigen die Teilnehmerzahlen so rasant, dass die Telefonzentralen aus den Nähten platzen. Muss man nun „wegen Überfüllung“ eine neue Telefonzentrale bauen, so wird  man der absehbaren Entwicklung Rechnung tragen und wenn nötig auf das nächste System umsteigen, wodurch die Telefonnummern geändert werden müssen, weil ja um eine Ziffer mehr erforderlich wird.

    Ein Wählamt ist in der Regel bis 10.000 angeschlossene Teilnehmerstellen wirtschaftlich. Nur in sehr dicht verbauten Gebieten kann man bis 20.000 gehen. Die Wirtschaftlichkeit hängt nämlich wesentlich von der Anzahl und der Länge der Anschlussleitungen ab, die von allen zum Anschlussbereich gehörenden Telefonanschlüssen sternförmig an die Zentrale herangeführt werden. Übersteigt nun in einer Stadt (die Fachleute sprechen von einem „Ortsnetz“) die Anzahl der Telefonanschlüsse 10.000, oder ist zu erwarten, dass diese Grenze in nächster Zeit überschritten wird, dann wird man an anderer Stelle des Ortsnetzes ein zweites Wählamt errichten und einen Teil der Teilnehmerstellen (jene, die die kürzeren Anschlussleitungen an das neue Wählamt haben) an diese anschließen, wobei die „Adressen“, also die Rufnummern, geändert werden müssen. Aus örtlichen, zum Beispiel geographischen Gründen, kann das bereits weit unter 10.000 der Fall sein. Diese „Zellteilung“ kann mehrmals notwendig werden, wodurch es immer wieder zu Nummernänderungen kommt. An das erste Wählamt (natürlich auch an das zweite) können nun wieder neue Teilnehmerstellen angeschlossen werden. 

    In Linz können die Fernsprechteilnehmer ein Lied von solchen Nummernänderungen singen. Zurzeit gibt es in der Landeshauptstadt sieben „Zehntausendereinheiten“, die zusammen ein volles „Hunderttausendersystem“ bilden (durch Viertelanschlüsse hat Linz schon über 80.000 Telefone). Dieses Hundertausendersystem hat man vorausblickend schon vor 40 Jahren geschaffen, allerdings mit nur einer Zehntausendereinheit, die bei weitem nicht „ausgelastet“ war. Es war damals natürlich nicht vorauszusehen, dass die Anzahl der Telefonanschlüsse einmal so stark steigen wird, dass mehr als sieben Zehntausender erforderlich sein werden. Es wurde oben schon erläutert, warum das Hunderttausendersystem nur sieben Zehntausendereinheiten „verträgt“.

    Weil eben das Hunderttausendersystem nicht mehr ausreicht, muss jetzt ganz Linz auf das Millionensystem umgestellt werden, wenn die Landeshauptstadt natürlich auch nicht annähernd jemals eine Million Telefone haben wird.

    Um auf das Millionensystem umzustellen, muss allen Telefonnummern eine Ziffer vorgesetzt werden. Das hört sich zwar einfach an, erfordert aber Maßnahmen, die neben großem finanziellen Aufwand Jahre in Anspruch nehmen. Zum Teil ist es notwendig, dass Telefonnummern, abhängig von der örtlichen Lage, im Laufe der Jahre zweimal geändert werden, um die Umstellung auf das Millionensystem überhaupt erst zu ermöglichen. Zum anderen ist es nicht zu vermeiden, dass später weitere „Zellteilungen“, und damit wieder Nummernänderungen notwendig werden.

    Die Änderung auf das Millionensystem hat auch Auswirkungen auf die Fernwahl. Grundsätzlich hat innerhalb Österreichs jedes Fernsprechortsnetz eine vierstellige „Kennzahl“ (wenn man von der vorgesetzten Null absieht). Im internationalen Fernverkehr muss man, um einen Fernsprechteilnehmer in Österreich zu erreichen, vor der vierstelligen „nationalen Kennzahl“ noch die zweistellige „internationale Kennzahl“ wählen, nämlich „43“. Da durch die Einführung des Millionensystems nunmehr Teilanschlüsse (“Viertelanschlüsse“) in Linz siebenstellige Nummern haben werden, ergäbe dies zusammen dreizehn Stellen. Die vor der internationalen Kennzahl zu wählenden „Verkehrsausscheideziffern“ 00, 009, 09 oder ähnliche, die in den einzelnen Ursprungsländern verschieden sind, werden hier nicht mitgezählt. Nach internationalen Richtlinien darf aber eine Rufnummer insgesamt nicht mehr als zwölf Stellen haben. Deshalb musste die Vorwahl für Linz von 07222 auf 0732 geändert werden. Der Grund für die Beschränkung der Stellenzahl im internationalen Fernsprechverkehr liegt darin, dass die gewählten Rufnummern zunächst gespeichert werden, ehe sie auf die teuren intenrnationalen Fernleitungen „losgelassen“ werden. Das Fassungsvermögen der Speicher wurde aus wirtschaftlichen Gründen auf zwölf Stellen beschränkt.

    Das Millionensystem gibt es in Österreich bisher nur in Wien und seit kurzem in Graz. Deshalb haben diese Städte ebenfalls dreistellige Kennzahlen. „Eine Nummer größer“ als das Millionensystem wäre das Zehnmillionensystem, das etwa New York hat.


    Datum 1979