Webseiten
  • Homepage
  • Suchen
  • Was ist Neu
  • Sitemap
  • Login

  • Kategorien
     > Geschichte der Telek..
        Geschichte der Telek..
        Geschichte der Tele..
        Zeittafel EDV 1953-1..
        Wählamtseinschaltung..
        Tonbandkundendienste..
        >> Geschichtenarchiv

    Suchen

    Homepage > Geschichte der Telekommunikation unter besond.. > Geschichtenarchiv
    Feuer am Dach  9 von 20vorhergenden Seitezur nächsten Seite

    Feuer am Dach
    Brand Linz-Fa

    Foto : Fotostelle TBA Linz (Wimmer) 

    Brand des Fernmeldegebäudes Linz-Fa 

    Ing. Emmerrich Gaigg 2012             

    Der Brand des Fernmeldegebäudes Linz-Fadingerstraße am 2. Februar 1972 war nicht nur für die ÖPT und alle am Bau Beteiligten ein außergewöhnliches und spektakuläres Ereignis, sondern auch für die Feuerwehren und die Bevölkerung von Linz, befindet sich doch dieses Hochhaus im dicht verbauten Bereich der Innenstadt. Das in Brand geratene Material der Dachisolierung entwickelte viel Rauch, sodass die Rauchsäule weithin sichtbar war.

     

    Mit dem Bau des zehngeschoßigen Gebäudes war am 6. Mai 1968 begonnen worden. Es war noch im Bau, als dieser Brand ausbrach. Verschiedenste Professionisten arbeiteten an der Fertigstellung. Teilweise war schon mit dem Einbau der technischen Einrichtungen begonnen worden. Bei Schweißarbeiten am Dachaufbau war die bitumengetränkte Korkisolierung unter der Dachhaut in Brand geraten. Laut Protokoll der Berufsfeuerwehr Linz langte der Notruf um 13:34 Uhr bei der Alarmzentrale ein. Die Feuerwache Urfahr (zu deren „Ausrückbereich“ die Fadingerstraße gehört) und die Hauptfeuerwache Wiener Straße rückten um 13:35 Uhr mit zahlreichen Fahrzeugen aus. Um 13.40 Uhr war die Feuerwache Urfahr am Brandplatz und um 13:43 Uhr die Hauptfeuerwache. Lokalisiert war der Brand um 19:04 Uhr, aber endgültig „Brand aus“ konnte erst am nächsten Tag um 09:10 Uhr gemeldet werden. Die Berufsfeuerwehr wurde am ersten Tag um 21:53 Uhr abgezogen. Zurück blieben am Brandplatz die bereits am Nachmittag zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr angeforderten Freiwilligen Feuerwehren St. Magdalena, Ebelsberg und Pichling. Zum Zeitpunkt der größten Brandintensität waren 13 Einsatzfahrzeuge mit 27 Mann Besatzung der Berufsfeuerwehr und weitere 42 Mann der Freiwilligen Feuerwehren und der Feuerwehrschule des Landes OÖ gleichzeitig im Einsatz.

     

    Die Brandursache war durchaus keine außergewöhnliche, denn es passiert leider oft, dass bei Arbeiten auf Rohbauten Brände verursacht werden, besonders häufig beim Schweißen. Der Schweißer, der in diesem Fall am Dachaufbau unter besonders beengten Verhältnissen arbeiten musste, ist lt. Rekonstruktion der o.ö. Brandverhütungsstelle wahrscheinlich mit der Schweißelektrode abgerutscht, wobei die Elektrode mit der als Dampfsperre eingebauten und durch die Dachaufbaukonstruktion geerdeten Alu-Folie Kontakt bekam. Die Alu-Folie schmolz in Sekundenschnelle großflächig ab. Durch die dabei entstandene hohe Temperatur geriet die auf Grund der Bitumentränkung besonders leicht entflammbare Korkisolierung in Brand. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Feuerwehroffizier des Landesfeuerwehrkommandos vor dem brennenden Dachaufbau, der meinte „Bei allen Neubauten wird überall im Haus auf Brandbeständigkeit der Materialien geachtet, aber am Dachgeschoß ist Schluss damit“. Wahrscheinlich hatte er Recht.

     

    Außergewöhnlich waren die Probleme, die bei der Brandbekämpfung auftraten:

     

    Die im jeweils zugänglichen Bereich gelöschte Korkisolierung gloste unter der Dachhaut immer weiter, sodass dem Brand mit den üblichen Löschangriffen kaum beizukommen war. Um Zutritt zu den Glutnestern zu schaffen, wurde von der Feuerwehr das Blechdach an mehreren Stellen aufgeschnitten (insgesamt ca. 100 m2). Durch den Sauerstoffzutritt kam es erst recht zu explosionsartigem Aufflammen und es dauerte lange, bis die Feuerwehr dies „im Griff“ hatte.

     

    Wenige Tage vorher war die erste der beiden großen 60 V-Batterien im Keller mit fast 40.000 Liter Schwefelsäure befüllt worden (Type L 128, d.h. 4600 Ah Kapazität, das ist die etwa 100-fache Kapazität der Starterbatterie eines Mittelklassewagens). Zum Brandzeitpunkt war die Erstladung dieser Batterie („Formierung“) im Gange. Die dabei entstandenen Abgase entwichen durch den Entlüftungsschacht (was sie auch sollten), der leider ganz nahe dem Brandherd über Dach führt. Dadurch kam es natürlich zu höchster Explosionsgefahr. Die Feuerwehr verlangte die Abschaltung der Ladung, aber der Leiter der Stromversorgung des Fernmeldebetriebsamtes stimmte dem mit Berufung auf eine mögliche Schädigung der teuren Batterie nicht zu und übernahm ausdrücklich die volle Verantwortung. Durch vorübergehendes Abstellen der mechanischen Exhaustoren und Drosselung der Ladestromstärke konnte diese Gefahr verringert werden. Die Sache ist gut ausgegangen, aber was wäre gewesen „wenn…“?

     

    Zur Löschwasserversorgung am Dachgeschoß wollte die Feuerwehr die vorgeschriebene und auch vorhandene Leersteigleitung benützen. Im Endstadium des Baugeschehens war aber vieles noch nicht ganz fertig, so war auch die Leersteigleitung im Keller noch offen. Das war so gut wie niemandem bekannt, der Feuerwehr schon gar nicht. Sie pumpte also laufend Wasser in die Steigleitung, oben kam nichts an, aber der Keller wurde teilweise überflutet. Die Aufzüge waren natürlich außer Betrieb genommen worden, wie es bei Bränden Vorschrift ist. Drehleitern und Hebebühnen reichten jedoch damals noch nicht so hoch. Die Feuerwehrleute mussten daher die Schläuche, die Kanister mit Schaummittel, Geräte, Werkzeuge und die Pressluftflaschen für die Atemschutzgeräte “händisch” über die Stiegen mehr als 30 m hochschleppen. Im Stiegenhaus wurde vom Erdgeschoß bis zum Dachgeschoß eine leistungsfähige Schlauchleitung verlegt, an die fünf Strahlrohre angeschlossen waren. Die Arbeiten der Einsatztrupps waren nur unter „schwerem Atemschutz“ möglich. Aus den Atemschutzgeräten wurden 48.000 Liter Luft verbraucht. Das sind bei 400 bar Druck 60 Flaschen zu je 4 Liter, die zusätzlich zu allem anderen an den Einsatzort auf dem Dach gebracht werden mussten. Die harte Beanspruchung der Einsatztrupps und die Witterungsbedingungen (-2°C) erforderte innerhalb der Einsatzzeit bis zur Lokalisierung des Brandes eine 100%ige Ablöse, das heißt, jeder Feuerwehrmann wurde zumindest ein Mal abgelöst.

     

    Der Schweißer hatte vor dem Eintreffen der Feuerwehr mit einem Eimer Wasser die Flammen zu löschen versucht, was aber natürlich erfolglos war. Bei einer Baubesprechung wenige Wochen vor dem Brand wurde der Vorschlag gemacht, man solle doch die Feuerlöscher, die nach Fertigstellung des Hauses ohnedies angebracht werden müssen, jetzt schon ausliefern lassen, weil es eine Erfahrungstatsache sei, dass beim gleichzeitigen Arbeiten mehrerer Firmen sich eine auf die andere verlasse und es dabei durch Unachtsamkeit häufig zu Bränden komme. Dieser Vorschlag wurde von einem maßgeblichen Besprechungsteilnehmer mit der Begründung abgeschmettert, dass diese Firmen ohnedies versichert seien. Ob mit den Feuerlöschern der Ausbruch des Brandes hätte verhindert werden können, wage ich nicht zu behaupten. Im Feuerwehrbericht wurde jedenfalls kritisch angemerkt, dass Einrichtungen der ersten Löschhilfe fehlten. Am zweiten Tag nach dem Brand wurden aber alle Feuerlöscher angeliefert.

    Ein ähnliches „Besprechungsbonmot“ gab es bereits bei der Bauverhandlung. Der Brandsachverständige machte den Vorschlag, man solle sich überlegen, in den Kabel-Hochführungsschächten Rauchgasmelder vorzusehen. Der Liegenschaftsverwalter der Postdirektion war dem durchaus nicht abgeneigt, meinte aber, die Baubehörde solle dies ausdrücklich vorschreiben. Der Brandsachverständige zog seinen Vorschlag zurück, mit der Begründung, dass er das nicht könne, „weil es bei euch sowieso nie brennt“.

    Bemerkenswert ist auch, dass es damals in Österreich noch keine spezifischen Bauvorschriften für Hochhäuser gab. Für das Baugenehmigungsverfahren wurde daher teilweise die etwas fortschrittlichere bayerische Bauordnung herangezogen.

     

    Wenn auch die Kabelschächte mit diesem Brand nichts zu tun hatten, sind hier doch ein paar Worte zu den Hochführungsschächten angebracht, sind sie doch wegen der darin herrschenden Kaminwirkung und der leicht entflammbaren kunststoffummantelten Kabel besonders Brand fördernde Bauteile. Bisher gab es in Oberösterreich kein so hohes Fernmeldegebäude wie nun in der Fadingerstraße. Die Hochführung der zahlreichen Schaltkabel zwischen den Betriebsräumen, die im Wesentlichen bis in das 6. Obergeschoß reichen, zu einem geringeren Teil noch bis in das neunte, dem Dachgeschoß, war daher für uns Neuland. Die Schächte, wurden pro Geschoß in der ganzen Gebäudebreite mit schweren, brandbeständigen Türen versehen. Die Deckendurchbrüche in den Schächten und die Kabel wurden nach deren Verlegung geschoßweise sorgfältig brandbeständig abgeschottet. Ebenso mussten die horizontalen Kabeldurchführungen aus den Schächten in die Betriebsräume abgeschottet werden. Die Abschottungstechnologie steckte aber damals noch in den Kinderschuhen, sodass es sich mehr oder weniger um Versuche und Erprobungen verschiedener Methoden und Materialien handelte. Die Abschottungen, die anfänglich sehr aufwändig waren, wurden allerdings meistens erst nach Abschluss der jeweiligen Kabelverlegungen durchgeführt, während der Bauphase blieb daher die Kaminwirkung und damit die Brandgefahr bestehen. Spätere große Fernmeldegebäude wurden auf Vorschlag der Planungsstelle für Kommunikationstechnik des Fernmeldebauamtes Linz mit begehbaren Schächten geplant, deren Umfassungswände brandbeständig ausgeführt wurden. An höchster Stelle der Schächte sind Rauchabzüge vorgesehen und die Schächte sind nun selbstverständlich mit Rauchgasmeldern ausgestattet (weil es jetzt „bei uns“ ja schon einmal gebrannt hat). Die geschoßweisen, horizontalen Abschottungen sind hier nicht erforderlich, die Raumeinführungen wurden mit neu entwickelten Abschottungselementen versehen, die einfach auszutauschen bzw. an zusätzliche Kabel anzupassen sind. Brandschutztüren zum Betreten der Schächte sind bei dieser Bauweise nur in geringer Zahl nötig. In den Schächten sind als Arbeitsbehelf fixe, brandbeständige Steigleitern eingebaut.

    Eine besondere Durchführungstechnik wurde – ebenfalls von der Planungsstelle für Kommunikationstechnik Linz vorgeschlagen - zwischen Muffenraum und Hauptverteilerraum in Linz/Wegscheid und in der Fadingerstraße erstmals in Österreich angewandt, und zwar wurden pro Haupverteilerbucht kleine, leicht abzuschottende Durchführungen angeordnet, durch die jeweils bis zu sechs Aufteilkabel geführt wurden. Die Aufteilmuffen wurden unmittelbar darunter in der Achse der Durchführungen situiert, was ganz kurze Kabelwege und damit eine enorme Kabel- und Arbeitszeitersparnis ergab.

     

    Ein großer Teil der fernmeldetechnischen Einrichtungen war zum Zeitpunkt des Brandes in den Obergeschoßen schon aufgebaut, deshalb machte ich im Einvernehmen mit dem Bauleiter der Hochbauabteilung den Einsatzleiter der Feuerwehr darauf aufmerksam, dass ein vollständiger Abbrand des ganzen Dachgeschoßes jedenfalls vertretbarer wäre, als Wasserschäden an den technischen Einrichtungen, weil diese ein Vielfaches des Dachgeschoßes kosten würden. Viel Verständnis haben wir bei dem Feuerwehrmann nicht geerntet mit dieser Bemerkung (sah er doch seine primäre Aufgabe darin, das Feuer zu löschen). Aber die Feuerwehr hat sich mit dem Wasser trotzdem sehr zurückgehalten und hat hauptsächlich mit Schaum gelöscht. Daher entstanden an den technischen Einrichtungen keine Wasserschäden.

     

    Wenn man bedenkt, was alles passieren hätte können, ist der mit 700.000 Schilling (valorisiert mit dem VPI 1969: ca. 200.000 €) bezifferte Brandschaden vergleichsweise gering. Menschen kamen durch den Brand nicht zu Schaden (außer der Assistent des Bauleiters des Hochbaues, der während des Brandes in der Dunkelheit der Nacht auf ein Brett trat, in dem ein langer Nagel steckte. Der Nagel steckte dann in seinem Fuß und ragte an der Oberseite aus dem Schuhleder. Es war ein Glück, dass ein Krankenhaus „gleich um die Ecke“ ist). Der Fernmeldebetrieb war durch den Brand nicht beeinträchtigt, weil ja noch keine Fernmeldeeinrichtungen in Betrieb waren. Die geringe Beeinträchtigung des Baufortschritts konnte rasch aufgeholt werden. Die erste Inbetriebnahme in diesem FM-Gebäude, die des Motorwähler-Ortswählamtes mit 10.000 Anrufeinheiten, erfolgte planmäßig am 15.Dezember 1972, also 10 ½ Monate nach dem Brand.

     

     

    Quellen: Protokoll der Feuerwehr der Stadt Linz, Beitrag von BrdAdj Ing. Siegfried Schraml in der Fachzeitschrift „Die österreichische Feuerwehr“ 6/1972 und eigene Aufzeichnungen und Erinnerungen von Ing. Gaigg.

     


    Datum 1972-02-02