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    Die Anfänge der Telefonie  1 von 20zur nächsten Seite

    Die Anfänge der Telefonie [weitere Details...]
    Nachbau Telephon Ph. Reis

     

    von Gerhard Nowak 2018

    Die erste öffentliche Sprachübertragung auf einer elektrischen Leitung gelang dem deutschen Physiklehrer und Erfinder Philipp Reis. Am 26. Oktober 1861 präsentierte er seine Erfindung, die er Telephon nannte, den Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt. Unter dem Vortragstitel „Über die Fortpflanzung von Tönen auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stromes“ wurden bei dieser Vorführung zwei Telefone in verschiedenen Räumen mit einer elektrischen Leitung verbunden. Die beiden Gesprächspartner an den Telefonen hatten bei dieser eindrucksvollen Vorführung offensichtlich auch Sinn für Humor. Als Test für die Sprachverständlichkeit sprach Philipp Reis den skurrilen Satz „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat in sein Mikrofon. Dass die Sprachübertragung verständlich war, belegt die Antwort seines Gesprächspartners „Das weiß ich schon längst, dass du keinen Gurkensalat isst, du altes Pferd“.

    Foto von NTej: Nachbau des Telephons von Philipp Reis 

    In den darauffolgenden Jahren hat Philipp Reis an Verbesserungen seiner Apparatur gearbeitet. Am 6. September 1863 führte er das Telefon im Goethe-Haus Frankfurt Kaiser Franz Josef und am 21. September 1864 einer hochrangigen Naturforscherversammlung in Gießen vor. Obwohl auf diese Präsentationen einige wissenschaftliche Fachberichte erschienen, wurde die Bedeutung dieser Erfindung nicht erkannt. Ein wirtschaftlicher Erfolg blieb Philipp Reis versagt. Die Praxistauglichkeit seiner Erfindung war noch zu wenig ausgereift, er hat auch verabsäumt ein Patent anzumelden.

    Ungefähr gleichzeitig wie Philipp Reis arbeiteten auch die italienischen Erfinder Innocenzo Manzetti und Antonio Meucci an Apparaten zur elektrischen Sprachübertragung. Diese Telefon-Prototypen erreichten auch noch keine Tauglichkeit für eine praktische Anwendung. Antonio Meucci ließ seinen Apparat patentieren, das Patent lief aber 1873 aus.

    In den 1870er Jahren beschäftigte sich der in Schottland geborene Sprachtherapeut, Erfinder später Großunternehmer Alexander Graham Bell mit der elektrischen Übertragung von Tönen und Sprache. Er war 1870 nach Amerika ausgewandert und entwickelte in Boston auf Grundlage der Pionierarbeiten von Philipp Reis und Antonio Meucci einen praxistauglichen Apparat, den er als Sprechtelegraphen bezeichnete. Im März 1876 erhielt er für diese Erfindung ein Patent. Am 9. Oktober 1876 wurde mit zwei Bellschen-Sprechtelegraphen auf einer Telegraphenleitung zwischen Boston und Cambridge das erste wechselseitige, telefonische Ferngespräch geführt. Bereits 1877 gründete Alexander Graham Bell die Bell Telephon Companie und begann mit der Produktion von Telefonen. 

    Die Anwendung der Telefonie und die technische Weiterentwicklung waren danach eine weltweite, nachhaltige Erfolgsgeschichte, wenn auch die Entwicklung in der Anfangsphase in langsamen Schritten verlaufen ist. Die neue Technik wurde in der Öffentlichkeit teilweise als komplizierte, physikalische Spielerei angesehen. 

    In Deutschland unternahm Generalpostmeister Heinrich von Stephan im Oktober 1877 erfolgreiche Fernsprechversuche mit zwei Bell-Telefonen über eine zwei Kilometer lange Leitung in Berlin. Danach wurde die Firma Siemens & Halske mit der Produktion von Telefonen für den Aufbau eines staatlichen Telefonnetzes beauftragt.

    In Wien beschäftigte sich der Elektrotechniker Franz Nissl auf Basis veröffentlichter Skizzen des Bellschen-Sprechtelegraphen mit der Konstruktion eines Telefonapparates. Am 22.Dezember 1877 präsentierte er seine Konstruktion am Physikalischen Institut der Technischen Universität Wien einem Professorenkollegium. Franz Nissl gründete gemeinsam mit Karl August Czeija die Vereinigte Telefon- und Telegraphenfabrik Czeija-Nissl & Co. Das Unternehmen hatte einen wesentlichen Anteil am Aufbau des österreichischen Telefonnetzes. Auch andere Unternehmen z.B. die Telegraphen u. Telefonbauanstalt Otto Schäffler, Teirich & Leopolder, Siemens & Halske, Kapsch, Deckert & Homolka (heute Schrack) erkannten die Bedeutung der neuen Technik und produzierten erforderliche Einrichtungen – Telefonapparate, Vermittlungseinrichtungen, Freileitungsdrähte, Kabel etc.

    Als praxistaugliche Telefonapparate verfügbar waren, begannen Überlegungen und Versuche Telefone an bestehende Telegraphieleitungen anzuschließen. Die Erfindung des belgischen Ingenieurs Francois van Rysselberghe ermöglichte auch den gleichzeitigen Betrieb von Telefonie und Telegraphie auf Telegraphieleitungen. Er entwickelte einen Induktor (Übertrager), der die gegenseitige induktive Beeinflussung von Telegraphie- und Telefoniesignalen unterdrückte. Es entstand ein Netz von Telegraphenstationen mit Telefonbetrieb. Nach einer Statistik des Internationalen Telegraphenbüros in Bern bestanden in Europa Ende 1880 bereits mehr als 33.000 Telegraphenstationen mit Telefonbetrieb, davon 2554 in Österreich, die überwiegend in Post- und Telegraphenämtern untergebracht waren. Diese Stationen dienten zur telefonischen Aufgabe, Übermittlung und Weiterleitung von Telegrammen als auch zum telefonischen Sprechen zwischen den an die Telegraphenstationen angeschlossenen Sprechstellen.

    Die ersten Telefonvermittlungsstellen (Handvermittlungen) mit eigenen Telefonleitungen entstanden 1878 in New Haven (USA) und 1879 in Paris. Diese Vermittlungseinrichtungen beruhten auf einer Idee des ungarischen Ingenieurs Tivador Puskas, der einen Handvermittlungsschrank, den sogenannten Klappenschrank entwickelt hatte. Manuelle Telefonvermittlungen blieben in verschiedenen Ausführungen sehr lange im Einsatz. Die später einsetzende Automatisierung der Telefonvermittlung und die qualitative Verbesserung derTelefonnetze waren aufwändig und teuer und wurden zuerst auf städtische Bereiche beschränkt, während man in ländlichen Regionen mit manuellen Telefonvermittlungsstellen das Auslangen fand..

    Die erste Telefonvermittlungsstelle (Handvermittlung) Deutschlands hat die Reichspost am 12. Jänner 1881 in Berlin mit 8 Teilnehmern in Betrieb genommen. Zum Jahresende waren bereits 458 Teilnehmer angeschlossen.

    Dass telefonieren damals noch keine alltägliche Gepflogenheit war, lässt sich aus den folgenden Regeln ableiten, die von der Reichspost an die Telefonteilnehmer übermittelt wurden:

    ANWEISUNG zur Benutzung der Fernsprecheinrichtungen

    Im Interesse einer schnellen und sicheren Bedienung der Theilnehmer durch die Vermittlungsanstalt ist die genaue Beachtung der nachfolgenden Angaben erwünscht.

    I.              Theilnehmer A wünscht mit Theilnehmer B zu sprechen

    Zu diesem Zwecke weckt A zunächst die Vermittlungsanstalt, indem er kurze Zeit (2 bis 3 Sekunden lang) gegen den Knopf a (siehe Zeichnung) drückt, hebt hierauf den Fernsprecher b vom Haken c und hält ihn mit der Schallöffnung gegen das Ohr.

    Die Vermittlungsanstalt antwortet: „Hier Amt, was beliebt“. A erwiedert durch den Fernsprecher: „Wünsche mit Nummer … (Nummer von B in der Theilnehmerliste) zu sprechen. Die Anstalt stellt die gewünschte Verbindung her.

                             II.             Theilnehmer B wird geweckt

    Sobald der Wecker ertönt, hebt B den Fernsprecher b vom Haken, hält ihn gegen das Ohr und meldet: „Hier B, wer dort?“

    Hierauf nennt A seinen Namen und beginnt die Unterhaltung.

    (Anmerkung: Die gesamte Anweisung inklusive Skizze eines Telefonapparates war noch umfangreicher).            .

    Die Inbetriebnahme der ersten österreichischen Telefonvermittlungsstelle (Handvermittlung) erfolgte am 1. Dezember 1881 in Wien (1. Bezirk, Friedrichstraße 6) mit 154 Teilnehmern durch die Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft, die vom k.u.k. Handelsministerium eine Konzession zur Herstellung und zum Betrieb von Telefonleitungen erhalten hatte. In den darauffolgenden Jahren bemühten sich mehrere private Unternehmen um derartige Konzessionen und errichteten in 11 größeren Städten im österreichischen Teil der k.u.k. Monarchie private Telefonvermittlungsstellen und Netze. U.a. wurde am 1. Oktober 1885 in Linz durch die Privatunternehmer Ing. Ludwig Philipp Schmidt und Ludwig Weiss eine Telefonvermittlungsstelle mit 45 Teilnehmern in Betrieb genommen.

    Die österreichische Netzkonstellation bestehend aus staatlichen Telegraphenstationen mit Telefonbetrieb und einzelnen privaten Telefonvermittlungsstellen in Zentren größerer Städte führte bald zu Interessenkonflikten. Die privaten Telefonunternehmen waren aus wirtschaftlichen Gründen bestrebt Telefonnetze mit kurzen Leitungswegen in dicht verbauten Stadtzentren aufzubauen und hatten wenig Interesse an einem bedarfsgerechten und möglichst flächendeckenden Ausbau.

    Häufige Schwierigkeiten und Hindernisse gab es auch bei der Wegesuche für Telefonleitungsverlegungen in privaten Gebäuden und Grundstücken, weil manche Eigentümer befürchteten erhöhter Blitzgefahr ausgesetzt zu werden oder weil sie prinzipielle Vorbehalte gegen die neue Technik hatten.

    Die staatliche Verwaltung erkannte, dass es legistischer Maßnahmen bedurfte, um den Ausbau und Betrieb der Telefonnetze in geordnete Abläufe zu lenken. Die Telefonverordnung des k.u.k. Handelsministeriums vom 7. Oktober 1887 (Verordnung betreffend die Herstellung und Benützung von Telefonanlagen im Anschlusse an den Staatstelegraphen) und zwei Gesetze des Reichsrates vom 29. Dezember 1892 u. vom 28. Mai 1895 waren die Basis für die Ausübung der Fernmeldehoheit durch den Staat und die Verstaatlichung der bestehenden privaten Telefonnetze.

    Das erste regionale, staatliche Telefonnetz wurde am 29. Juni 1887 in der niederösterreichischen Sommerfrische – Region zwischen Schneeberg und Rax in Betrieb genommen. Die Vermittlungsstelle war im Post- und Telegraphenamt Reichenau an der Rax eingerichtet, an die Sprechstellen der umliegenden Postämter und von Berggasthäusern auf der Rax und am Schneeberg angeschlossen waren.

    Neben örtlichen Telefonnetzen entstanden zahlreiche interurbane Telefonverbindungen, als erste z.B. die Telefonlinie von der Fernzentrale Wien – Börseplatz nach Brünn, die am 1. August 1886 in Betrieb gesetzt wurde.

    Zur Übernahme der 11 bestehenden, privaten, städtischen Telefonnetze in den Staatsbesitz musste das k.u.k. Handelsministerium nach Verhandlungen mit den privaten Telefonunternehmungen die vergebenen Konzessionen zurückkaufen und Ablösezahlungen im Umfang von 5,14 Millionen Gulden leisten (mit Stand Jänner 2018 entspricht diese Summe einem Wert von 71,75 Millionen Euro).

    Als letztes privates Netz wurde das Wiener Telefonnetz der Privat – Telegraphengesellschaft am 1. Juli 1895 an den Staat übertragen. 

    Die Telefondichte war zu diesem Zeitpunkt noch gering. Einer der Gründe für die noch geringe Ausbreitung der Telefonie waren die hohen Kosten für die Nutzung eines Telefonanschlusses. Z.B. verrechnete die Wiener Privat – Telegraphengesellschaft ihren Kunden für ein Telefon-Jahresabonnement 100 Gulden (entspricht 1396 Euro nach Paritätsstand Jänner 2018) davon mussten 12 Gulden als Taxe an den Staat abgeliefert werden.  Nach den verfügbaren statistischen Unterlagen bestanden 1895 im österreichischen Teil der k.u.k. Monarchie 18.663 Telefonanschlüsse.

    Mit der weiteren Planung, dem Ausbau und dem Betrieb der Telefonnetze wurde die Post- und Telegraphenverwaltung beauftragt.

    Nachsatz:

    Wenn Sie die weitere technische Entwicklung der Telefonie, andere technische Entwicklungsschritte der Telekommunikation und ergänzende Informationen interessieren, laden wir Sie ein, blättern Sie in dieser Homepage in der „Geschichte der Telekommunikation“ oder im „Geschichtenarchiv“ oder unternehmen Sie einen virtuellen Rundgang durch das „Telekom Museum“.  

     

     


    Datum 1861-1895
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